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Weihnachten 2019, Hartmut Neusitzer

Ihre Weihnachtsgeschichte 2019

Autor: Hartmut Neusitzer


 

Rudis Zwiespalt, Klaus der Gedankenmeister und
eine kreative Streiklösung

 

Es ist stockduster und bitterkalt. Am klaren Nachthimmel funkeln die Sterne. Kleine, langsam wandernde Wolken bieten ein beruhigendes Naturschauspiel. Doch Rudi hat keine Zeit für Romantik. Mit langgestrecktem Hals galoppiert er zielstrebig durch Kiefern- und Birkenwälder. Der mit wenig Schnee bedeckte Waldboden gibt seinen flinken Hufen gerade noch den nötigen Halt.

Eine kleine Schneewolke vor sich herschiebend bremst er vor der Waldhütte ab. Kurz schüttelt er sich die Schneeflocken aus dem Fell. Klackernd eilt er die fünf Stufen der Holztreppe hinauf.

Klaus schreckt aus seinen schweren Gedanken auf. Tief eingesunken sitzt er in seinem riesigen Ohrensessel. Sein weißer Rauschebart ruht auf seinem Kugelbauch bis hinunter auf seine kräftigen Oberschenkel.

Als Rudi schnaubend hereinstolpert, zieht Klaus die linke Augenbraue hoch.

„Bist du auf der Flucht?“, fragt er mürrisch.

„Du strahlst ja eine herzerwärmende Stimmung aus! Haben wir mal wieder eine übellaunige Phase?“, erwidert Rudi kess.

Schlagartig fühlt Klaus, dass dies der Moment ist, wo er sich aus der Kartoffelsacksitzhaltung in eine spannungsvolle gerade, anatomisch gesunde Eichenhaltung begeben muss. In einer eingefallen Sitzposition hätte er gegen den frech-quirligen und vorlauten Rudi keine Chance.

„Ich weiß nicht wen du mit WIR meinst, aber ich mache mir gerade ernsthafte Gedanken dazu, was die Menschen sich so denken! Streng genommen, ob sie überhaupt noch denken. Von Fühlen will ich erst gar nicht sprechen!“

„Und zu welchem Ergebnis ist der Gedankenmeister gekommen?“, fragt Rudi immer noch frech-grinsend zurück.

„Ich habe wenig Hoffnung, dass die noch die Klimakurve kriegen!“

Rudi drückt frech seinen Daumen noch tiefer in die Wunde: „Und was geht uns das an? Wir haben doch mit den Weihnachtsvorbereitungen schon wahrlich genug zu tun!“

Klaus sitzt jetzt kerzengerade, seine muskulöse Brust spannt sein rotweiß kariertes Holzfällerhemd. Wie eine Baumkrone ruht sein, mit der weiß glänzend üppigen Langhaarpracht, gewaltig anmutender Kopf auf seinem wohlbeleibten Körper.

Leicht vorgebeugt, beide großen Hände auf den Oberschenkeln ruhend, schaut er Rudi tief und lange in seine großen und dunkel glänzenden Augen.

Durch seine große, rote Knollennase holt er tief Luft. Er fixiert Rudi noch intensiver.

Rudi setzt sich rasch auf einen Holzstuhl. Am riesigen Tisch aus dunkelbraunem Eichenholz kommt er sich etwas verloren vor. Er wendet sich Klaus zu. Gespannt wartet er darauf, was Klaus zu sagen hat. Rudi fühlt, dass er jetzt seine frech-vorlaute Zunge zügeln muss, dass jetzt nicht der Moment für weiteren Schabernack ist.

Klaus zieht ein drittes Mal tief und langanhaltend Luft durch die Nase. Sein voluminöser Oberkörper kommt noch ein wenig mehr nach vorne. Parallel weicht Rudis schlanker Oberkörper wie ferngesteuert in gleicher Weise zurück.

„Genau das ist es ja. Alle haben immer etwas zu tun! Immer! Und immer fixer – husch-husch-husch! Während man sich um das eine kümmert, ist man in Gedanken schon beim übernächsten Thema. Und schon meint man, eine moralisch wasserfeste Entschuldigung für die Abgabe von Verantwortung und Zivilcourage zu haben.

Und mit uns hat das etwas in der Weise zu tun, da wir schon bald Weihnachten nichts mehr zu tun haben! Dann ist Schluss mit lustig! Und Schluss mit husch-husch-husch. Aus, Ende, vorbei!“

„Spinnst du?“, entfährt es Rudi spontan.

Doch dann fühlt Rudi, dass er Klaus ein wenig aus der Gedankenpatsche helfen muss.

„Was ich dir noch nicht verraten habe, liebster Klaus, ich komme gerade von einer Klimademo!“

„Ach!“, entfährt es Klaus. Seine Augen sind blitzschnell weit geöffnet. Seine Verärgerungsfalten an der Nasenwurzel haben sich geglättet und auf der Stirn haben sich vor Neugier Längsfurchen gebildet.

„Ja, auf einer Klimademo! Das war echt geil. Weltweit haben erneut Millionen von Menschen demonstriert!“, berichtet Rudi mit funkelnden Augen.

„Ho, ho, ho.“, platzt es aus Klaus erfreut heraus. Sein riesiger Kugelbauch wippt dabei kräftig.

„Und du Wurzelzwerg warst mittenmang? Wat hast de da denn jewollt?“, berlinert Klaus.

Rudi hält es nicht mehr auf seinem Stuhl.

Voller Begeisterung berichtet er, aufgeregt durch den großen Raum wandernd, von der tollen und vor allem friedlichen Stimmung, einer perfekten Organisation, der groovig-beatigen Gutelaunemusik, begeisterten Menschen, von ganz jung bis ganz alt.

„Hat dich jemand erkannt?“, fragt Klaus voller Neugier nach.

„Nöh. Hatte ja eine Gelbweste an.“, antwortet Rudi kichernd.

„Ich wusste gar nicht, dass du ein französisches Gen hast.“, witzelt Klaus und zeigt mit dem kräftigen Daumen nach oben.

Voller Begeisterung ergänzt Rudi: „Sogar aus den Fenstern der Bürohäuser winkte man aufmunternd den Menschen auf der Straße zu!“

„Respekt“, fügt Klaus hinzu und zeigt nun schwungvoll und voller Verzückung mit beiden Daumen nach oben.

„Dann sollten wir uns der Bewegung genau am Heiligabend anschließen. Wir streiken dann am Dienstag und nicht am Freitag!“

„Klaus, das fühlt sich etwas komisch an. Der Schlitten ist mit den Geschenken schon halb voll. Da schlagen meine somatischen Marker Alarm. Nun habe ich leichtes Magengrummeln.“

Deutlich sieht Klaus Rudis Zwiespalt deutlich an.

„Du hast Recht, Rudi. So eine radikale Maßnahme sollten wir den Menschen ankündigen. Und wer weiß, vielleicht bekommen sie die Klimawende ja noch hin, ohne, dass wir streiken. Oft geht es ja leider nur über den Umweg, dass man Schmerzen zumindest androht. Denn Heiligabend ohne Geschenke unterm Tannenbaum würde wahrlich große Schmerzen erzeugen.“

Kleinlaut und mit einem Hauch von Wehmut in der Stimme ergänzt Rudi: „Und im allerschlimmsten Fall kommt unser Schlitten ins Museum.“

Beim zweiten Teil seiner Botschaft wird er ungewöhnlich leise und stockend:

„Und ... Und ... Und wir ... Und wir ... Nein, du wirst bei steigendem Meeresspiegel für den neuen Lastensegler einen Delfin als neuen Partner benötigen. Schnee wird es ja bald nicht mehr geben.“

„Nun mal den Teufel nicht an die Wand, Rudi!“, erwidert Klaus erbost. „Dann machst du eben einen Segelschein!“

Rudi grinst erleichtert. Seine Mundwinkel schnellen bis zu seinen kleinen, spitzen Ohren hoch. Er wirkt erleichtert. „Super, Klaus. Eine Anregung habe ich aber noch. Das Ganze muss ja rasch angegangen werden.“

Klaus nickt bestätigend.

„Wenn wir im Frühjahr nächsten Jahres in einem Land nur Halbherzigkeiten bei den Klimaaktivitäten erkennen, dann kündigen wir sofort den Streik an, gern auch mit großem Pressetamtam!“

Klaus strahlt nun ebenfalls über das ganze Gesicht.

„Rudi, du bist ein wahrer Strategiefuchs - und wir ein feines Team – einem fällt immer etwas Kreatives ein!“

„Give me five!“, entfährt es Rudi feixend, auch wenn er nur zwei Hufzehen hat.

Sie lachen herzlich und klatschen bzw. hufen sich dabei ab.
 

Ihnen und Ihrer Familie Weihnachten 2019  Hartmut Neusitzer
wünsche ich eine wahrhaft frohe und besinnliche Weihnachten
mit Achtsamkeit im Hier und Jetzt,
viel Zeit in der Wohlfühlzone,
ein angenehmes Ankommen in 2020 und
bleiben Sie gesund!

 

Ihr
Hartmut Neusitzer



Ihre Weihnachtsgeschichte als
PDF-Download.


Foto: Maxi Buchholz




 

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